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1&1 und Drillisch – Übernahme schafft neuen Mobilfunkriesen

1&1 und Drillisch – Übernahme schafft neuen Mobilfunkriesen

1&1 und Drillisch schließen sich zusammen. Der deutsche Mobilfunkmarkt bleibt weiter in Bewegung. Nach der Übernahme von E-Plus durch Telefonica steht nun der nächste große Zusammenschluss an. Das Unternehmen United Internet aus Montabaur wird den Mobilfunk-Provider Drillisch übernehmen. Die Bereinigung des deutschen Mobilfunkmarkts setzt sich fort und wird auch für den Kunden Folgen haben.

Am vergangenen Freitag hat die 1&1-Konzernmutter United Internet bekannt gegeben, dass das Montabaurer Unternehmen und der Mobilfunk-Provider Drillisch eine Grundsatzvereinbarung zur Zusammenlegung der Geschäftsaktivitäten unterzeichnet haben.


Drillisch-Übernahme durch United Internet in Kürze

  • Drillisch übernimmt Telekommunikationsgeschäft von United Internet-Tochter 1&1
  • United Internet übernimmt Mehrheit an Drillisch
  • Übernahme erfolgt mehrstufig
  • United Internet macht Aktionären Übernahmeangebot
  • Drillisch wird nach der Übernahme Telekommunikations-Anbieter von United Internet sein
  • Angebot von Festnetz, DSL, Mobilfunk
  • Mobilfunk-Schwerpunkt im o2-Netz

1&1-Übernahme durch Drillisch: Was sind die Fakten?

Das Mobilfunk- und Festnetzgeschäft von United Internet soll mit Drillisch zusammengeführt werden. Die drei Telekommunikations-Riesen Telekom, Vodafone und Telefonica bekommen dadurch Konkurrenz durch eine vierte, starke Kraft. Die Übernahme erfolgt schrittweise durch einen ungewöhnlichen Aktientausch. Die United Internet-Tochter 1&1 wird dabei in Drillisch integriert, dass seinerseits unter das Dach von United Internet kommt. Bereits jetzt ist das Unternehmen aus Montabaur mit rund 20% an Drillisch beteiligt. Am Ende werden nach diesem Plan circa 72% der Drillisch-Anteile bei United Internet liegen. Zusätzlich wird United Internet ein Übernahmeangebot über die in Streubesitz befindlichen übrigen Aktien machen. Neben der Hauptversammlung von Drillisch muss auch das Bundeskartellamt den Plänen zustimmen.

Durch den Zusammenschluss mit Drillisch wird United Internet die Nummer 4 im deutschen Kommunikationsmarkt. Zusammen haben beide Unternehmen aktuell 12 Millionen Kunden und erwirtschaften einen Umsatz in Höhe von 3,2 Milliarden. United Internet rechnet mit hohen Einsparungseffekten. Bereits 2020 geht das Unternehmen nach eigenen Angaben von Einsparungen in Höhe von rund 150 Millionen Euro aus, die bis 2025 auf 250 Millionen Euro ansteigen soll.


Was sind die Gründe für die Übernahme?

In der letzten Zeit findet im deutschen Mobilfunkmarkt eine Bereinigung statt. Der Kampf um Kunden und Marktanteile hinterlässt gerade bei den Service-Providern, die kein eigenes Netz besitzen, Spuren. Doch auch die Netzbetreiber sind unter Druck.

Gerade die kostspielige Versteigerung der Rundfunklizenzen lässt die Netzbetreiber regelmäßig stöhnen. Zwar führt der lukrative Verkauf von Frequenzblöcken zu beachtlichen Einnahmen im Bundeshaushalt, doch die Zeche bezahlen die Mobilfunk-Anbieter. Letztendlich geben diese den Preis an den Kunden weiter. Dazu ist der Ausbau und der Unterhalt der Infrastruktur eine technisch und eben auch finanzielle Herausforderung für die Unternehmen.

Günstige Drillisch-Tarife durch Telefonica-Auflagen

Die günstigen Preise der von Drillisch angebotenen Tarife sind zum Teil auch Folge der E-Plus-Übernahme. Telefonica wurde verpflichtet, bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten an Drillisch abzugeben. Das Unternehmen hat daher mit günstigen Preisen versucht, diese Kapazitäten zu füllen. Doch gerade der Zugriff auf das o2-Netz sind auch für United Internet interessant. Damit hat man gegenüber dem letzten verbleibenden unabhängigen Provider einen Vorteil. Bislang bietet 1&1 eigene Mobilfunk-Tarife im Vodafone-Netz sowie bei o2 an. Als Folge der Drillisch-Übernahme werde das Angebot im o2-Netz in den Fokus rücken.

Gerne werden von Kritikern die niedrigen Mobilfunkkosten in den Nachbarländern genannt. Allerdings stellt ein dicht besiedeltes, bevölkerungsreiches Land wie Deutschland die Netzbetreiber vor andere Herausforderungen. Dennoch bildet die Preisbildung die finanziellen Möglichkeiten in Deutschland ab. An den Kosten kommt jedoch keiner der Anbieter vorbei. Hier stoßen die Unternehmen an die Grenzen, wodurch die Zahl der Anbieter hierzulande durch Übernahmen sinkt. Daher liegt nahe, dass die Preise im Mobilfunk zumindest kurzfristig stabil bleiben. Günstige Mobilfunktarife sind wohl eher mittelfristig zu erwarten.

Drillisch-Marken

smartmobil • yourfone • maXXim • simply • eteleon • hello mobil • sim.de • McSim • DeutschlandSim • DiscoTel • PHONEX • winSIM • PremiumSIM


1&1 und Drillisch: Welche Folgen hat Übernahme?

Steigen die Mobilfunkkosten durch die sinkende Zahl der Wettbewerber oder sinken die Tarifkosten, durch günstigere und effektivere Strukturen der Unternehmen? Fest steht: Die Zahl der Anbieter wird sinken. Durch den Zusammenschluss von Drillisch und 1&1 bleiben nur noch United Internet und Freenet als unabhängige Service-Provider neben den drei großen Netzbetreibern in Deutschland übrig. United Internet bekommt mit der größeren Zahl an Marken und Kunden noch mehr Einfluss auf den Markt. Daran ändert auch eine Mehrmarkenstrategie nichts.

Keine sinkenden Preise, besseres Preis-Leisungsverhältnis

Auch Ralph Dommermuth macht wenig Hoffnung. Der United Internet-Chef  glaubt nicht, dass die Mobilfunkpreise in der nächsten Zeit sinken werden, sagte er dem Handelsblatt. „Telekommunikationsinfrastruktur zu bauen und zu erhalten ist teuer. Das muss auch bezahlt werden.“ Durch die Investitionen in die Infrastruktur nimmt die Qualität der Mobilfunknetze zu. Die Kunden gehen somit nicht leer aus. Für Dommermuth ergibt sich so ein besseres Preis-Leistungsverhältnis.

Fraglich bleibt, wie sich der steigende Kostendruck auf den Kundenservice auswirken wird. Telefonica hatte hier bei der Zusammenlegung von o2 und E-Plus große Probleme und aktuell hat das Unternehmen Schwächen im DSL-Bereich. Auch für United Internet wird die Zusammenlegung nicht leicht werden. Kunden werden daher vermutlich Einschränkungen erleben. Auswirkungen auf den Netzempfang sind hingegen nicht zu erwarten.


Welche Folgen hat die Drillisch-Übernahme für die Kunden?

Unmittelbare Folgen für die Kunden von Drillisch-Marken oder 1&1 wird der Zusammenschluss der Telekommunikations-Anbieter zunächst nicht haben. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest. Selbst nach der Übernahme wird zunächst die Zusammenlegung der Kundensysteme und der Tarifstruktur im Mittelpunkt stehen. Das hat die E-Plus-Übernahme durch Telefonica gezeigt. Die Kunden werden daher weiter die bestehenden Tarife nutzen können. Eine aufwendige Netzintegration entfällt.

Zum Ende der Tariflaufzeit wird das Unternehmen dann versuchen, die Kunden in neue Tarife zu überführen. Auch Zwangsmigrationen sind möglich, werden sehr wahrscheinlich jedoch nur geringe Zahl an Kunden treffen. Weiter zeigt die Erfahrung, dass Preiserhöhungen während der Tariflaufzeit eine seltene Ausnahme sind. Selbst wenn Kunden damit konfrontiert werden sollten, besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht.

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