ITB 2019: Urlaubsbranche in Angst? – Die Top- und Flop-Reisetrends 2019

Die Reisetrends 2019 waren eines der beherrschenden Themen bei der diesjährigen Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin. Nach dem Winter wächst die Lust auf den Sommerurlaub. Mit erneut gestiegenen Umsatzzahlen zeigten sich die Deutschen im Vorjahr in Reisestimmung – egal, ob am heimischen Baggersee oder auf der exotischen Fernreise. Doch die zögerlichen Buchungseingänge Ende des vergangenen Jahres sorgten für pessimistische Prognosen von Analysten. Krise in der Urlaubsbranche? Zumindest die großen Anbieter demonstrierten auf der ITB Anfang März Optimismus. Doch neben Gewinnern zeigen sich bei den Reisetrends 2019 auch Verlierer.


Reisetrends 2019 – Was sind die beliebtesten Reiseziele?

  • Spanien, Griechenland und die Türkei sind die beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen
  • große Zuwächse bei Urlaub in der Türkei, Ägypten und Tunesien
  • westliches Mittelmeer und insbesondere Kanaren schwächer gefragt
  • USA bleiben beliebtestes Fernreiseziel
  • Thailand, Malediven, Sri Lanka, Mauritius und Jamaika weiter beliebt
  • Familien interessieren sich mehr für Pauschalreisen, Individual-Tourismus mit steigender Nachfrage

An der Spitze der beliebtesten Reiseländer der Deutschen war auch 2018 Spanien. Egal, ob die Urlaubsklassiker Mallorca, Costa Brava, die Kanaren oder Städtereisen nach Madrid und Barcelona. Spanien bleibt die Nummer 1. Mit gutem Wetter, abwechslungsreichen Zielen und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich Griechenland auf den zweiten Platz gesetzt. Danach folgt die Türkei, die ebenfalls mit Sonne und einer Menge Leistung für das Geld auf Platz 3 folgt.

Türkei-Urlaub steigt weiter stark an

Das Reiseland Türkei boomt. Mit weiter stark wachsenden Buchungszahlen ist das Land am Bosporus der größte Gewinner der Reisetrends 2019. Das belegen auch die Untersuchungszahlen der Gesellschaft für Konsumforschung GfK. Bereits im Vorjahr nahm die Zahl der Übernachtungen zu. Laut der Tourismus-Beratung ITB stieg die Zahl der Besucher 2018 um 8,5 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Reiseveranstalter bestätigen die zunehmende Reiselust in die Türkei. Laut Angaben von Alltours haben sich die Buchungszahlen verdoppelt. Auch bei TUI zeigte sich eine steigende Nachfrage.

Für den Türkei-Urlaub spricht das sehr hohe Niveau bei Unterkünften und Service. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei überzeugend. Die Anbieter vor Ort haben in den schwierigen Jahren stark in die Ferienanlagen investiert. Dazu wird für jedes Urlaubsbudget etwas geboten. So findet der preisbewusste Urlauber ebenso ein Angebot wie der Luxusreisende. Die gute Fluganbindung und die kurze Reisezeit tragen ebenso zur Beliebtheit bei.


Fünf meistgebuchten Ferienregionen laut GfK

  1. Antalya (Türkei)
  2. Palma de Mallorca (Balearen/ Spanien)
  3. Kreta ( Griechenland)
  4. Hurghada (Ägypten)
  5. Kos (Griechenland)

Reisetrend 2019: Östliches Mittelmeer

Weitere Gewinner der Reisetrends 2019 sind Tunesien und Ägypten. Das Land am Nil überzeugt neben den sehr guten Ferienanlagen und dem guten Service auch mit viel Abwechslung. Ägypten bietet Kultur und Geschichte, lässt vom Nil mit möglichen Kreuzfahrten bis hin zum Roten Meer mit den vielen Wassersportmöglichkeiten vielfältige Arten der Freizeitgestaltung zu .

„Das überproportionale Wachstum im östlichen Mittelmeer ist der auffälligste Trend im Sommer 2019“ – Stefan Baumert, Touristik-Geschäftsführer TUI

Auch Griechenland ist weiter beliebt, bietet es doch ähnliche Möglichkeiten wie die Türkei und Ägypten bei ebenfalls niedrigen Preisen. Neben dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis spricht Griechenland dazu verstärkt Urlauber im Luxussegment an. Hier zeigt sich laut TUI-Angaben eine erhöhte Nachfrage nach Unterkünften auf den Inseln Mykonos und Santorin.

Westliches Mittelmeer und Kanaren weniger gefragt

Eine Verschiebung der Nachfrage vom westlichen in das östliche Mittelmeer zeigte sich bereits im Vorjahr. Die Verlagerung bleibt ein Reisetrend 2019. Für Mallorca, aber gerade die Kanarischen Inseln waren die Buchungszahlen Ende letzten Jahres weniger erfolgreich. Mit Rückgängen im zweistelligen Prozentbereich rechnen die Konsumforscher von der GfK. Die beliebte Baleareninsel verzeichnet nach Angaben von Alltours und TUI mittlerweile steigende Buchungszahlen.

Die beiden großen Anbieter profitieren dabei von eigenen Ferienanlagen. So kann auf die Wünsche der Urlauber flexibler reagiert werden. TUI zeigt sich zufrieden mit der Auslastung der eigenen Anlagen. Bei Alltours sei die Buchung der Allsun-Hotels auf Mallorca sehr gut. Trotz der aktuell schwächeren Buchungszahlen bleibt Mallorca eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Nach Angaben des Online-Reisebüros Expedia ist die Baleareninsel der dritthäufigste Suchbegriff.

Schwieriger ist die Auslastung auf den Kanaren. Hier werden die Übernachtungszahlen des Vorjahres wohl 2019 nicht erreicht. Die Veranstalter versuchen mit einer Verlängerung der Frühbucherangebote Urlauber zu locken. Nur über den Preis allein wird sich der Trend kaum ändern. Dafür sind die Preise in der Türkei, in Ägypten oder Griechenland zu niedrig und die Leistung zu gut.

Fernreisen auch 2019 Reisetrend: USA, Karibik, Asien und Indischer Ozean

Fernreisen gehören auch 2019 zu den großen Reisetrends. Der Reiseveranstalter Alltours rechnet für dieses Jahr mit einem „Gästeplus im zweistelligen Bereich.“ Dabei konzentrieren sich die Reisewünsche vor allem auf Nordamerika, die Karibik und Südostasien. Durch verbesserte Anbindungen werden auch ehemals sehr exotische Ziele im Indischen Ozean, wie die Malediven, Mauritius oder die Seychellen immer beliebter.

USA begeistert mit Städtereisen und Rundreisen

In Sachen Fernreisen zieht es die Deutschen auch 2019 am liebsten in die USA. Die Vereinigten Staaten sind auch in diesem Jahr klar das beliebteste Fernreiseziel. Die häufigsten Reiseziele bleiben weiterhin New York, Miami, Los Angeles und San Francisco. Laut TUI steigt darüber hinaus die Nachfrage nach Reisen in die Südstaaten, die Region der Großen Seen oder Arizona.

Dabei verbinden die Urlauber vermehrt den Städte- oder Badeurlaub mit einer Rundreise. Hier kommen nicht nur die Individualreisenden zum Zug, die sich ihren Urlaub über verschiedene Reiseportale zusammenstellen, auch klassische Reiseveranstalter bieten zunehmend durch verschiedene Bausteine Möglichkeiten, den Urlaub nach eigenem Geschmack zu individualisieren.


Reisetrends 2019 bei Expedia

  • Für Male auf den Malediven ist dieses Jahr die Suchanfrage fast 150 Prozent höher als noch im letzten Jahr
  • Rio de Janeiro mit Anstieg bei den Suchanfragen von 95 Prozent
  • Hanoi in Vietnam mit verstärkter Nachfrage: mehr als 40 Prozent mehr Suchanfragen als noch 2018
  • Südafrika mit Johannesburg verzeichnet ein gesteigertes Interesse von 25 Prozent
  • Karibik ist in den ersten paar Monaten des Jahres deutlich weniger nachgefragt als noch 2018

Vom Strand auf Bali zum Trip nach Australien – Kombireisen im Trend

Eine Zunahme dieser Kombireisen sieht im ITB-Gespräch der Reiseveranstalter TUI. Gerade die zunehmend beliebteren Reisen nach Südostasien lassen sich mit einem weiteren Stopp kombinieren. So werde der Badeurlaub auf Bali gerne mit einer Rundreise in Australien verbunden. Auch eine Kombination des Thailand-Urlaubs mit einem Aufenthalt in Singapur sei sehr beliebt.

Neben den klassischen südostasiatischen Reisezielen Thailand und Indonesien rückt Vietnam zunehmend in den Blick der deutschen Urlauber. Das Online-Reisebüro Expedia verzeichnet einen 40-prozentigen Anstieg der Suchanfragen mit dem Ziel Hanoi. Weiter konnte der amerikanische Online-Anbieter ein verstärktes Interesse für Japan verzeichnen.

Karibik bleibt Traumziel

In westlicher Richtung zieht die Karibik, vor allem mit der gewohnt beliebten Dominikanischen Republik, aber auch Kuba oder Curacao die Urlauber an. Auch die Reise nach Mexiko bleibt bei den Deutschen. TUI sieht eine steigende Nachfrage nach Urlaub auf Jamaika. Generell ist das gute Preis-Leistungs-Verhältnis in der Region Grundlage für den Reisetrend 2019. Dabei wird der Pauschalurlauber mit einem besonderen Interesse an einem günstigen Preis ebenso angesprochen wie die Reisenden, die es gern etwas exotischer haben, wie auf Kuba.

Reisetrends 2019: Urlaub in Deutschland

Doch nicht nur in die Ferne zieht es die Deutschen. Urlaub in Deutschland gehört auch 2019 zu den Reisetrends. Die Vorteile sind naheliegend: Der Anreiseweg ist kurz, das Umfeld gewohnt, die Qualität ist hoch, es gibt Angebote für jeden Geschmack. Mit großer Vielfalt kann das eigene Land überzeugen: Vom Luxushotel über die Ferienwohnung bis zum Zelt, vom Meer bis zu den Bergen. Urlauber auf der Suche nach Ruhe und Entspannung werden ebenso fündig, wie diejenigen, die Aufregung und Erlebnis suchen.

Gerade Mecklenburg-Vorpommern profitiert von diesem Trend. Das Bundesland an der Ostsee lockt nicht nur die Strandurlauber, die Mecklenburgische Seenplatte bietet zusätzlich Anreiz für einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Urlaub. Mecklenburg-Vorpommern überzeugt nicht nur durch die vielseitige Landschaft. Vom Badeurlaub über Wellness bis hin zu Aktivferien findet sich für jedes Urlaubsinteresse das passende Angebot. Mit ähnlichen Rahmenbedingungen schafft es auch Oberbayern weiterhin, die Urlauber von einem Besuch zu überzeugen.


Top-Städtereiseziele bei Expedia

  • Berlin
  • Hamburg
  • Mallorca
  • Amsterdam
  • Paris

Zusätzlich sind Städtereisen innerhalb Deutschlands  sehr beliebt. Mit Berlin, Hamburg und München sind weiterhin die größten deutschen Städte am beliebtesten. Interessant ist ein Blick auf die Suchanfragen beim Online-Reisebüro Expedia. Neben den Städte-Highlights Berlin, Hamburg oder München liegen Baden-Baden, Paderborn oder das schwäbische Esslingen weite vorne, wenn Interesse an einer Unterkunft besteht. An Urlaubsreisen allein wird das nicht liegen. Auch Geschäftsreisen werden über die Plattform gebucht. Für Esslingen spricht die Nähe zu Stuttgart, was die Stadt für den Business-Aufenthalt interessant macht.

Reisetrend 2019: Individualurlaub und Pauschalreisen

Das individuelle Planen des Urlaubs, mit individuellen, getrennten Buchungen von An- und Abreise, Unterkunft und Aktivitäten vor Ort ist weiter in der Popularität gestiegen. Gleichzeitig ist auch die Pauschalreise im Trend. Ein Widerspruch? Nein, denn der Reisemarkt ist auch 2018 gewachsen. Vielfach spricht die Branche von einem Rekordjahr.

Die GfK gibt an, dass die Deutschen im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro mehr für den Urlaub ausgegeben haben als im Vorjahr.  Das entspricht einem Plus von fünf Prozent. Mit den Ausgaben vor Ort betragen die Urlaubsausgaben der Deutschen laut der Konsumforscher 95,6 Milliarden Euro. Ein Grund für die höheren Ausgaben sei die zunehmende Reisehäufigkeit. So können die Anteile sowohl  der Pauschalreise als auch des individuellen Urlaubs steigen.

Reiseveranstalter Alltours erwartet hier einen Zuwachs von 21 Prozent. Ausschlaggebend sei vor allem das Interesse an Kurzurlauben. Die Wintersaison verzeichne vor allem durch die guten Wintersportbedienungen in den Alpen gute Buchungszahlen. Auch Nachbarländer wie Polen und Tschechien seien hier gefragt.

Von dem Trend scheinen vor allem große Reiseunternehmen zu profitieren. Branchenweit entwickelt sich die Nachfrage nach individuellen Reisen weniger stark. Die Konsumforscher der GfK geben für individuell organisierte Urlaubs- und Privatreisen lediglich ein Wachstum von drei Prozent an.

Pauschalreisen individueller gestalten

Der Vorteil für die großen Veranstalter ist der Ausbau von individuelle Angebote in Verbindung mit Pauschalreisen. Von Wellness bis Abenteuer-Erlebnis oder Tickets für Sport, Musical, Theater und Freizeitparks sowie Städtetouren oder Tagestouren reichen hier die Möglichkeiten um die Reise dem eigenen Geschmack anzupassen und aufzuwerten.

Zusätzlich scheinen gerade die großen Reiseveranstalter von zunehmender Nachfrage nach Pauschalurlaub zu profitieren. Gerade diese Anbieter haben den Vorteil, dass ein großes, vielfältiges Angebot an Reisezielen und Unterkünften in Kombination mit zusätzlichen Möglichkeiten verfügbar ist. Dazu sind Pauschalreisen weniger aufwendig zu buchen. Nicht zuletzt scheinen die Urlauber die größere Sicherheit von Pauschalreisen momentan zu schätzen. Durch den Reisesicherungsschein ist die Buchung finanziell abgesichert. Dazu sorgt der Veranstalter auch für eine Heimreise, selbst wenn die entsprechende Fluglinie den Betrieb eingestellt hat. Nach den Pleiten von Air Berlin und Germania ein wichtiger Pluspunkt für viele Reisenden.

Digitalisierung: Smartphone-Buchungen im Kommen

Vor dem Urlaub steht die Buchung. Für den reinen Individualurlaub nehmen die Deutschen diese schon seit Jahren intensiv online vor. Dem Marktforschungsinstitut GfK nach wird für individuelle Privat- und Urlaubsreisen „bereits die Hälfte der Reiseleistungen online gebucht.“ Hier zeigt sich immer stärker der Trend zur Mobile-Buchung. Immer mehr Flüge, Unterkünfte und sonstige Tickets werden per Tablet und vor allem mit dem Smartphone gebucht. Expedia nennt hier für das vergangene Jahr einen Anteil von 20 Prozent. Beim europäischen Branchenführer TUI haben Buchungen über das Smartphone ebenfalls stark zugenommen. Habe vor zwei Jahren noch rund ein Drittel der TUI-Urlauber über das Smartphone gebucht, sei es nun die Hälfte aller Buchungen, so TUI.

Auch die großen Reiseunternehmen spüren eindeutig die zunehmende Buchungsverlagerung in das Internet. Laut GfK-Angaben steigt der Online-Anteil bei der pauschal oder in Bausteinen organisierten Veranstalterreise von 32 auf knapp 35 Prozent. Beim Reiseveranstalter Alltours buchten im letzten Jahr noch rund 70 Prozent der Urlauber ihre Ferien im Reisebüro. Aktuell habe sich der Anteil stark in Richtung online verschoben, so das Unternehmen. Letztendlich bucht der Kunde dort, wo er will. An diesen Anspruch müssen sich alle Reiseunternehmen anpassen. Potential sieht die Branche durch hochwertige, speziell auf den Kunden angepasste Beratung. Auch die Verbindung verschiedener Beratungs- und Buchungsangebote offline sowie online ist momentan eine Strategie, mit denen die Veranstalter die Urlauber abholen möchten. Die Reisebüros wandeln sich. Statt Prospekt und Katalogen sollen Kunden per Virtual Reality schon vor dem Urlaub einen möglichst guten Eindruck vom Ferienort bekommen – und Lust auf die Ferien.

Reisetrends 2019: Probleme werden nicht ausgeklammert.

Die in vielen Augen schwierige politische Lage in der Türkei wirft einen Schatten auf die erfolgreiche Buchungsentwicklung. Manche wollen nicht mehr in das Land am Bosporus reisen, auch wenn die Hotels noch so gut und die Preise noch so niedrig sind. Wenig hilfreich sind politische Störfeuer. Die Türkei wolle Urlauber aus Deutschland bei der Einreise festnehmen lassen, berichteten die Stuttgarter Nachrichten. Das habe der türkische Innenminister Süleyman Soylu während einer Kundgebung gesagt. In der Türkei finden in einigen Wochen Kommunalwahlen stand. Betroffen hiervon seien mutmaßliche Regierungsgegner, die an türkeikritischen Kundgebungen in Deutschland teilgenommen haben. Das Auswärtige Amt hat den entsprechenden Reisehinweis aktualisiert.

Türkei-Urlaub: Hohe Nachfrage trotz politischer Schwierigkeiten

Alltours-Chef Willi Verhuven zeigte sich beim Pressegespräch am ITB-Eröffnungstag von der Aussage Soylus irritiert. Nach seinem Gefühl führt die aktuelle politische Situation zu keiner Beeinträchtigung der Türkei-Buchungen. Aussagen im Wahlkampf sind ohnehin mit Vorsicht zu betrachten. „Ich habe momentan dazu keine abgeschlossene Meinung“, so Verhuven, der von der Aussage der türkischen Politikers im Taxi auf dem Weg zur Messe erfahren hatte. An sinkenden Urlauberzahlen kann die Türkei kein Interesse haben. Der Tourismus ist ein wichtiger Finanzfaktor in dem von einer schweren Wirtschaftskrise betroffenen Land. Letztendlich entscheidet der Kunde, wo er die Ferien verbringen möchte. Momentan stimmt das Angebot in der Türkei offensichtlich.

Insolvenzen

Ein Problemfall der Reisebranche sind die jüngsten Insolvenzen der Fluglinien Air Berlin und Germania. Zahlreiche Urlauber strandeten am Urlaubsort oder konnten die Reise gar nicht erst antreten. Tausende Kunden verloren bereits gezahlte Tickets. Günstig waren die Ausfälle für die Reiseanbieter jedoch nicht. Alltours beziffert die Mehraufwendungen durch die Insolvenz von Air Berlin und Niki auf rund 18 Millionen Euro. Auch im Falle Germania werden die Kosten durch die kurzfristige Bereitstellung von Flugzeugen steigen. Im Vergleich zur individuell gebuchten Flugreise können sich die Urlauber eines Reiseunternehmens darauf verlassen, dass die Urlaubsreise stattfindet. Auch für den Rückflug wird gesorgt, trotz einer Airline-Pleite. Schwierig könnte es für Flüge von einigen Regionalflughäfen werden, zum Beispiel Rostock oder Friedrichshafen. Perspektivisch werde die Zahl der Regionalflughäfen abnehmen. Urlauber haben sich so auf eine längere Anreise einzustellen.

Overtourism

Der zunehmende Tourismus bleibt nicht ohne Folge. Sogenannter Overtourism ist ein immer größer werdendes Problem. Venedig und Florenz sind davon ebenso betroffen wie Peking oder Mexiko-Stadt. Laut Umfrage der Tourismusberatung IPK fühlt sich mittlerweile jeder zehnte Reisende durch Overtourism beeinträchtigt. Das sei eine Zunahme von 30 Prozent in den letzten 12 Monaten.

„Grüner Urlaub“ als Gegenentwurf

Nach und nach dringen die durch den Tourismus verursachten Umwelteingriffe in das Bewusstsein der Urlauber. Der Massentourismus hinterlässt nicht nur durch An- und Abreise sowie überfüllte und zugebaute Orte seine Spuren. Auch der große Verbrauch von Ressourcen wie Wasser oder die Abfall-Thematik werden von immer mehr Urlaubern bei der Buchungsentscheidung berücksichtigt. Das sogenannte „Grüne Reisen“ ist auch für die Reiseveranstalter ein interessantes Geschäftsfeld – und offenbar ein erfolgreiches.

Europas größter Reiseveranstalter TUI gibt an, dass sich im Geschäftsjahr 2018 2,2 Millionen Urlauber für nachhaltigere Ferien entschieden haben. Das sei eine Steigerung um 18,2 Prozent. Im Vergleich zu den konzernweiten Urlauberzahlen sei das grüne Reisen verhältnismäßig stärker gewachsen. Zunehmend mehr Hoteliers sollen sich für umweltfreundliche und soziale Maßnahmen interessieren.


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