Coinbase-Börsengang: Das Wichtigste in Kürze

  • Größte Digitalwährungs-Börse Coinbase geht selbst an die Börse
  • Aktie ab heute (Mittwoch) erwerbbar
  • Nasdaq-Bewertung von über 100 Milliarden Dollar erwartet
  • Experten warnen vor Schwankungen und regulatorischen Risiken
  • Aktuelle Sammelklage gegen Coinbase wegen Account-Schwierigkeiten

Fieberhaft erwartet: Coinbase geht an die Börse

Ein besseres Händchen für Timing kann man wohl kaum unter Beweis stellen: Genau im neuesten Bitcoin-Aufwärtssturm geht Coinbase, Big Player des Krypto-Handels und derzeit größte US-Handelsplattform für Digitalwährungen, selbst an die Börse. Krypto boomt schon länger, doch während die Aufs und Abs in mehr oder weniger gleichmäßiger Frequenz den Boom bisher mit vielen Fragezeichen versehen haben, ebnet dieser Schritt deutlich den Weg in Wallstreet und Mainstream-Handelswelt.

Und der entlockt den Analysten derzeit wahren Jubel, aktuell wird in Zusammenhang mit Coinbase eine Bewertung von über 100 Milliarden US-Dollar für möglich gehalten. Träte diese ein, wäre die Digital-Handelsplattform global vor allen traditionellen Börsenplätzen die wertvollste Börse (die Nasdaq beispielsweise hat momentan einen Börsenwert von 26 Milliarden Dollar). Coinbase würde damit einem bisher ungekannten Höhenflug ein Denkmal errichten: Allein im ersten Quartal 2021 lag der Nettogewinn bei bis zu 800 Milliarden Dollar, was einer Verdopplung des Vorjahres entspricht. Auch der erwartete Umsatz, beziffert mit 1,8 Milliarden US-Dollar, überträfe die Gesamt-Performance des Vorjahres signifikant. Mit dem letzten Krypto-Run nahmen außerdem die Nutzerzahlen zu, derzeit liegen sie um die 56 Millionen.

Zuverlässige Prognosen schwierig, regulatorische Risiken hoch

Doch selbst Coinbase-Chef Armstrong bekennt offen, dass der momentane Gipfelritt keine besonders weitreichenden Zukunftsprognosen erlaube, da der Unternehmenserfolg maßgeblich vom Kurs und Handelsvolumen digitaler Währungen abhängt. Coinbase selbst spricht diesbezüglich von einer „immanenten Unberechenbarkeit“. Da ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass im Krpyto-Geschäft Schwankungen an der Tagesordnung und teils erdrutschartige Abwärtsbewegungen möglich sind. Dies offenbarte etwa der Bitcoin-Absturz im Jahr 2018, damals fiel der Preis um mehr als 70 Prozent.

Finanzexperten sehen jedoch nicht nur das schwankungsintensive Verhalten des Krypto-Markts kritisch, sondern stufen auch das Risiko für Anleger, dass Regierungen jederzeit regulatorisch intervenieren könnten, als hoch ein. Nicht zuletzt, weil Bitcoin und Co. auch immer wieder in Zusammenhang mit illegalen Aktivitäten diskutiert werden, bestünde, wie ein Coinbase-Rivale kürzlich CNBC sagte, jederzeit die Gefahr eines regierungsseitigen „Durchgreifens“.

Interne Coinbase-Probleme: Und dann war da noch der Kunden-Service

Neben Unwägbarkeiten und Kursabenteuern der Finanzwelt hat Coinbase derzeit aber auch eine interne Baustelle zu bearbeiten, die im Kunden-Service verortet ist. Immer wieder gerät der Support in die Kritik, online beklagen viele Kunden in unterschiedlichen Foren, dass ihre Accounts ohne Nennung von Gründen eingefroren worden sein, auch Gerüchte über gekaperte Accounts machen die Runde. Aus dem offenbar bereits ausreichenden Vorwurfs-Material ging inzwischen sogar bereits eine Sammelklage gegen die Plattform hervor. Die verweist rechtfertigend auf den massiven Ansturm neuer Kunden und die damit einhergehenden technischen Herausforderungen und betont, bisher noch nie gehackt worden zu sein.

So oder so, fürs Erste wird Coinbase durch die Hype-Maschine gedreht. Dass die, schnellem Wandel unterworfene Finanzwelt einen solchen rasch neutralisieren kann, dürfte jedem klar sein. Dass der Weg eines Krypto-Markplatzes in die Mainstream-Finanzwelt Kurzlebigkeit widerlegt, allerdings auch.