Vorsicht bei Glasfaservertretern an der Haustür: Lieber erstmal nicht annehmen

  • Glasfaserausbau in Deutschland wird vorangetrieben
  • Verbraucherzentrale rät zu Vorsicht bei offensiven Haustür-Vertretern
  • 100-300 Mbit/s „für durchschnittlichen Verbraucher völlig ausreichend“

Jeder braucht Glasfaser? Verbraucherzentrale zweifelt

Eine schnelle Internetverbindung ist nicht erst seit heute relevant, gewinnt jedoch in Zeiten des immer neue Höhen erklimmenden Streaming-Hypes und vermehrt im Home Office tätiger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zusehends an Bedeutung. Ein Glasfaseranschluss gilt dabei bereits als der Standard, um dem gewachsenen Bedürfnis nach Verbindungsgeschwindigkeit gerecht zu werden. Im Wissen um das rege Interesse für diese Verbindungsart tauchen vermehrt Vertreter an den Schwellen von Haushalten auf, um möglichst zahlungskräftige Neukundinnen und Neukunden für den entsprechenden Anschluss zu erwärmen. Doch obwohl ein Glasfaser-Anschluss, wie auch Michael Gundall von der Verbraucherzentrale findet, ein Glasfasseranschluss „eine zukunftssichere Sache“ ist, rät der Telekommunikationsexperte der Verbraucherschutzorganisation zu Vorsicht und findet: Man solle sich lieber „nicht vorschnell an der Tür zu einem Abschluss drängen lassen“.

Handelt es sich bei den Vertretern um Trickbetrüger? Wohl kaum, zumal sie im Auftrag bekannter Telekommunikationsunternehmen ihre Runden drehen. Streiten lässt sich hingegen ihre Überzeugungstaktik zum Einsatz kommenden rhetorischen Kniffe und das oft beobachtbare Nichtlockerlassen beim Auftritt an der Tür. Nicht zuletzt, weil dabei oft darauf gebaut wird, dass die Angesprochenen ihre Verbindungsbedürfnisse in Zahlen überhaupt nicht kennen. Laut Gundall gelte es daher, die zunächst zwingend erscheinende Logik, jeder benötige eine Datenübertragung im Spitzenbereich, gut zu prüfen und eine Entscheidung nicht an der Tür, sondern ganz in Ruhe zu treffen, denn:

„[…] für den durchschnittlichen Verbraucher ist eine Bandbreite zwischen 100-300 Mbit/s heutzutage vollkommen ausreichend und selbst für eine Großfamilie reichen 400-500 Mbit/s vollkommen aus“.

Drum prüfe, wer sich vertraglich bindet

Niemand sollte sich also, im wahrsten Sinne, aus dem Stand dafür entscheiden, ein Angebot anzunehmen, denn das Gefühl der Bedrängtheit ist kein guter Ratgeber für rationale Entscheidungen. Dabei sollte auch im Blick behalten werden, dass die Vertreter eine Provision für den erfolgreichen Abschluss erhalten, es ihnen also naturgemäß immer ein bisschen mehr um den Abschluss als das genau auf die Verbraucherbedürfnisse zugeschnittene Angebot geht.

Dazu sei eine Anekdote des Autors erlaubt: Im Herbst vergangenen Jahres kam ich selbst in den Genuss einer solchen Tür-Akquise und ließ mich, in der Absicht, das Besprochene später noch einmal in Ruhe überdenken zu können, auf die Unterhaltung ein, signalisierte Interesse. Der Vertreter gab alles, was er an Charme zur Verfügung hatte, machte mir sogar unangebrachte Komplimente und strahlte, was das Zeug hielt, eine gewinnende Freundlichkeit aus… – bis er mich schließlich allen Ernstes darum bat, ihm schon einmal vorab meine Kontoverbindung mitzuteilen, was ich natürlich ablehnte. Von diesem Moment war er wie verwandelt, zeigte sich wortkarg und das einzementiert scheinende Lächeln war dahin. Resigniert trat er den kommunikativen Rückzug an und war binnen einer Minute verschwunden. Vorfälle wie dieser sind gewiss nichts, worüber noch nie geschrieben wurde, dennoch finde ich, dass es eindrucksvoll belegt: Es geht nicht nur um den Komfort der Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern eben auch um den schnellen Abschluss. Drum prüfe seinen wirklichen Internetbedarf, wer sich langfristig bindet.

Hatte ihr in der letzten Zeit auch Begegnungen dieser Art?