Signal-Mitarbeitern geht App-Aufstieg zu schnell: Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzerzahlen bei Messenger-App Signal innerhalb eines Monats verdoppelt
  • großer Zuwachs dank veränderten Datenschutzbedingungen bei WhatsApp
  • Signal-Mitarbeiter fürchten, für falsche Nutzergruppe attraktiv zu werden

Zahlen verdoppelt: Bereits 40 Millionen Signal-Nutzer?

Zum tatsächlichen Zuwachs bei der Messenger-App Signal, den sie den veränderten Datenschutzubedingungen bei WhatsApp verdankt, gibt es bisher keine offiziellen Zahlen. Beobachter sehen jedoch eine Verdoppelung der User-Zahl von vorher 20 Millionen auf 40 Millionen weltweit. Ein solch geradezu überrollend gesteigertes Interesse ist ganz ohne technische Komplikationen wohl kaum denkbar und nach zwischenzeitlich eingefrorenen Nutzerzahlen kommt es noch immer zu Verzögerungen im Nachrichtenaustausch. Doch die dadurch eventuell kurzzeitig geschmälerte Attraktivität ist es nicht, was manchem Mitarbeiter des Messengers Kopfzerbrechen bereitet.

Mitarbeiter finden neue Popularität zweifelhaft: Interne Kontroverse bei Signal

Als das drängendere Problem sehen manche Mitarbeiter von Signal, dass die App bisher keine spezifischen Richtlinien entwickelt hat, die sich mit der Frage befassen, wer den Messenger nutzen darf und wer nicht. Einige fordern einem Artikel des Tech-Magazins The Verge zufolge nun ein neues Regelwerk, welches einen Rahmen dafür schafft, bestimmte, kriminelle Nutzer (wie etwa solche, die jüngst das Kapitol in Washington D.C. stürmten) ausschließen zu können, die dort unbehelligt kommunizieren wollen.

„Keine Kindermädchen-Funktion“

Bei den leitenden Verantwortlichen der als Non-Profit-Unternehmen funktionierenden App Signal trifft diese interne Kritik nicht unbedingt auf offene Ohren. Signal sei, so Stimmen aus der Führungsebene, schließlich exakt aus diesem Grund gegründet worden: Damit Nutzer bedenkenfrei, also ohne Angst, abgehört zu werden, kommunizieren können. Nicht einmal der Messenger-Dienst selbst könne die Kommunikationsdaten einsehen oder auf den Servern speichern. Signal-Gründer Moxie Marlinspike positioniert sich klar: Er sei nicht bereit, einen „pseudo-neutralen“ Konflikt zwischen guten und bösen Nutzern zu stilisieren, denn dieser werde am Ende zu Lasten einer großen Gruppe von Unterdrückten und Aktivisten geführt, die auf diese anonyme Art des Kommunizierens angewiesen seien. Brian Action, einst WhatsApp-Gründer und inzwischen bei Signal tätig, bezog noch deutlicher Stellung: Signal habe keine „Kindermädchen-Funktion“, sondern stelle lediglich eine Technologie zur Verfügung.