Android-Aus für Huawei – Alles Wichtige in Kürze

  • Google beendet Android-Support für Huawei
  • keine Lieferung von Hardware, Software und technische Unterstützung durch Google
  • laut Google keine Einschränkungen bei Google Play Store und Google Play Protect
  • Software unter Open-Source-Lizenz nicht betroffen, Updates weiter möglich
  • Huawei will weiter Sicherheitsupdates und Services für bereits verkaufte Huawei- und Honor-Geräte bereitstellen

Android-Lizenz für Huawei entzogen – Was ist passiert?

Wie Reuters am Sonntagabend berichtete, beendet Google die Zusammenarbeit mit Huawei. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf eine gut informierte Quelle. Betroffen seien alle Bereiche, die den Austausch von Hardware, Software und die technische Betreuung betreffen. Ausgenommen sollen die Teile sein, die bereits über eine Open-Source-Lizenz öffentlich verfügbar seien. Mittlerweile hat Google das Android-Aus für Huawei bestätigt.

„Wir erfüllen die Anweisung (der US-Regierung – die Redaktion) und untersuchen die Auswirkungen“, wird ein Google-Sprecher zitiert. „Google Play und die Sicherheitsfunktionen von Google Play Protect werden auf bereits vorhandenen Huawei-Geräten weiter nutzbar sein.“

Aktuell versendet Huawei eine erste Stellungnahme. Nach dieser verspricht der Konzern, weiterhin Sicherheitsupdates und Services bereitzustellen. Das beinhalte auch Smartphones der Tochtermarke Honor. Davon betroffen seien alle bereits verkauften und lagerhaltigen Geräte.

„Huawei wird weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei und Honor Smartphones sowie Tablets zur Verfügung stellen.“ – Huawei

Damit nimmt das Unternehmen einerseits die Angst der Nutzer, kurzfristig die Geräte nicht mehr nutzen zu können. Eine belastbare Zukunftsaussicht für weitere Verkäufe stellt die Stellungnahme anderseits kaum dar. Auch die Aussage, Huawei werde „weiter daran arbeiten ein sicheres und zukunftsfähiges Software-Ecosystem zu entwickeln, um die bestmögliche Nutzererfahrung weltweit zu bieten“ liefert wenig konkrete Aussichten auf eine Zukunft von Huawei mit Android.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Unternehmen angekündigt, gegen die Maßnahme der US-Regierung vorgehen zu wollen.

Welche Auswirkungen hat das Android-Aus für Huawei?

Die Auswirkungen erscheinen für Huawei massiv. Der Smartphone-Markt besteht aus den Betriebssystemen Android und Apples iOS. Allerdings bedeutet das Ende der Kooperation von Google mit Huawei nicht grundsätzlich das Aus für Android auf Huawei-Geräten. Android ist im Grunde eine frei verfügbare Open Source-Software. Huawei kann daher Teile von Android weiter nutzen. Diese sind im Android Open Source Project (AOSP) frei verwendbar. Ein Basis-Android ist daher weiter verfügbar. Auf Sicherheits-Updates hat Huawai durch das AOSP Zugriff.  Auf dieser Grundlage kann das Unternehmen dann entsprechende Änderungen und Anpassungen vornehmen. Allerdings ohne Unterstützung durch Google.

Viel schwieriger dürfte das Wegfallen der Google-Apps wie Gmail, Docs, Fotos oder Maps sein. Welche Auswirkungen das Android-Aus für Huawei im Bezug auf den Play Store und die Apps hat, ist bislang noch unklar.

Das Android-Aus für Huawei könnte nur der Beginn sein. Wie das Nachrichtenmagazin Bloomberg berichtet, folgen andere US-Unternehmen wie Intel, Qualcomm, Broadcom oder Xilinx ebenfalls der Anordnung. Dazu könnten weitere chinesische Mobilfunk-Anbieter in das Visier der Amerikaner geraten. Honor ist ohnehin Teil von Huawei, doch auch Xiaomi, Oneplus, Oppo, Vivo, Motorola, Nokia, Blackberry, Alcatel und Nokia.

Android-Aus für Huawei – Was passiert mit den Smartphones?

Bereits vorhandene und ausgelieferte Huawei-Smartphones und Tablets laufen zunächst wie gewohnt weiter. Auch Updates sind grundsätzlich möglich. Die entsprechende Software wird von Google nach der Veröffentlichung im ASOP zur Verfügung gestellt. Allerdings wäre die Software für die Huawei-Entwickler dadurch erst später als bisher verfügbar.

Kritischer für Nutzer sind Einschränkungen bei Google Play. Neue Apps oder gar Updates werden möglicherweise schwer oder gar nicht mehr zugänglich sein. Das Herunterladen und Aufspielen wird zudem von dem chinesischen Unternehmen erschwert. Der erforderliche Bootloader wurde von Huawei gesperrt. Grundsätzlich lassen sich die Smartphones flashen und dadurch neue Software und eine neue Gerätekennung aufspielen. Für viele Nutzer dürfte dieses Vorgehen zu anspruchsvoll sein.

Eine Option für Huawei wäre der Wechsel zu einem eigenen Betriebssystem. Schon länger soll das Unternehmen an einer Alternative zu Android arbeiten. Die Erfolgsaussichten scheinen fraglich. Android lebt vor allem durch das große Ökosystem und das riesige App-Angebot im Play Store. Auch ein Unternehmen wie Huawei könnte keine vergleichbare Vielfalt liefern. So schalten die Chinesen als erste Maßnahme vielleicht den Bootloader wieder frei. Durch den nun erhöhten Druck wäre auch eine Einigung mit der US-Regierung denkbar. Möglicherweise eskaliert der Konflikt jedoch weiter – mit Folgen auch in Deutschland.

Beitragsbild von Tham Yuan Yuan auf Pixabay