Mehrwertsteuer-Senkung 2020 – Fazit nach 4 Wochen:

  • Branchen verbuchen unterschiedliche Erfolge
  • in Supermärkten: Viel Aufwand – gleicher Umsatz
  • Senkung laut Experten kein Erfolgspatent

Laut Tagesschau unterschied sich das Konsumverhalten regional und branchenbedingt – teilweise zogen Verbraucher große Anschaffungen tatsächlich vor und kurbelten die Konjunktur somit an. In einem kleinen Haushaltswarenladen in Stuttgart mit einem Durchschnittspreis um die 10 Euro nahmen die Kunden die Änderungen dagegen so gut wie gar nicht wahr: Bei einem durchschnittlichen Einkauf in Höhe von 40 Euro spart man lediglich 1 Euro. Ein Elektro-Fachmarkt in Solingen gehört dagegen zu den Gewinnern der Maßnahme: Laut WDR rechnet der Inhaber gar mit einem weiteren Boom im Dezember. Eine ähnliche Bilanz zieht Andre Bruhn, Geschäftsführer des Bruhn-Elektro-Fachmarktes: Die Kunden investieren mit Vorliebe in teure Geräte. Eines wird jedoch auch in dieser lukrativen Branche moniert: der Aufwand.

Für Supermärkte ging die Mehrwertsteuer-Senkung 2020 nach hinten los

In Supermärkten musste oft jeder Preis in den Regalen neu gekennzeichnet werden, um das Vertrauen der Kundschaft weiter zu erhalten. Für den Einzelhändler Thomas Pauli in Solingen bedeutete dies ein erheblicher Verlust an Arbeitszeit mehrerer Kollegen – gelohnt habe sich die Maßnahme für ihn nicht: Die Kunden kaufen ein wie immer. „Eine Senkung der Lohnsteuer und ein Anheben der Sozialleistungen, da hätte der Endverbraucher mehr von gehabt.“ so Pauli.

Laut Wirtschaftsforschern keine Erfolgsgarantie

Der Handelsforscher Marco Atzberger vom Eurohandelsinstitut in Köln äußert sich gegenüber WDR ähnlich skeptisch: Die Steuer-Senkung 2020 sei eine kostenintensive, aber wenig effiziente Methode. Zwar hätten Konsumforscher der GfK in Nürnberg einen Konsumanstieg beobachtet, allerdings sei unklar, ob die Ursache in der Senkung liege. Wir hatten vor vier Wochen am Stichtag in unserem ausführlichen Ratgeber untersucht, ob die Differenz überhaupt an die Kunden weitergegeben wird. Inzwischen hat sich zumindest deutlich herauskristallisiert, dass die Senkung zum größten Teil weitergegeben wird. Auch wenn es ein paar Ausreißer gibt wie frische Lebensmittel.

Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Mehrwertsteuer-Senkung 2020

„Hohe Ersparnisse bieten natürlich einen starken Anreiz. Das bedeutet natürlich schon eine soziale Schieflage, da es auch Leute gibt, die sich das eben nicht leisten können“, erklärt Stefan Bach vom Institut für Wirtschaftforschung Berlin gegenüber Tagesschau. Abschließend kann man also sagen, dass Konsumenten mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche durchaus von der Mehrwertsteuer-Senkung 2020 profitieren können, die breitgefächerte Wirkung auf die Konjunktur aber bislang ausbleibt.