Lego-Fälschung durch Lepin – Alles Wichtige in Kürze

  • Razzia bei chinesischer Bausteinmarke Lepin wegen Lego-Fälschungen
  • über 600.000 Sets im Wert von rund 30 Millionen US-Dollar beschlagnahmt
  • kein Verkauf mehr ab 1. Mai 2019
  • erste Hinweise auf weitere Aktivitäten unter neuem Namen

Lepin: Polizei-Razzia wegen gefälschter Lego-Sets

Vergangene Woche hat die chinesische Polizei mehrere Produktionsstätten der Marke Lepin durchsucht. Das Unternehmen bietet seit 2015 Klemmbaustein-Sets an. Dabei fällt Lepin vor allem durch das Plagiieren von Lego-Modellen auf. Oft entsprechen die Sets 1:1 dem dänischen Vorbild. Allerdings bietet Lepin die Baukästen deutlich günstiger an. Vor allem durch chinesische Shops und Online-Marktplätze gelangen diese Sets auch zu deutschen Kunden.

Lepin bemüht sich dabei gar nicht, den Bezug zu Lego zu verschleiern. Selbst der Markennamen und das Logo sind deutlich an das Vorbild angelehnt. Beim Design der Verpackung orientieren sich die Chinesen ebenfalls stark an den Dänen. Dabei schreckt Lepin auch nicht davor zurück, sich bei Lizenzprodukten wie Star Wars oder Harry Potter zu bedienen. Oft wird nur der Name leicht verändert. Bei eigenen Lego-Serien, zum Beispiel den beliebten Ninjago-Sets, passiert nicht mal das.

Bei Lego ist man von einem solchen Verhalten wenig begeistert. Umso mehr wird der Schritt der chinesischen Behörden begrüßt. „Wir glauben, dass die Nachahmerprodukten einen erheblichen Einfluss auf unser Geschäft und viele andere Unternehmen in China gehabt hätten“, zitiert das chinesische Magazin Shine die Lego-Vizepräsidentin Robin Smith.

„Wir mögen es wirklich nicht, diese Produkte im Regal zu sehen, weil wir uns um die Sicherheit unserer eigenen Produkte sorgen.“ – Robin Smith, Lego- Rechtsvorstand für China und den asiatisch-pazifischen Raum

Den Razzien war ein Urteil im vergangenen Herbst vorausgegangen. Das Gericht hatte mehreren Unternehmen die Herstellung und den Vertrieb von Lepin wegen Urheber- und Wettbewerbsverstößen untersagt. In den nun durchsuchten Fabriken sollen rund 3.000 Arbeiter beschäftigt sein. Die Polizei hat nach Medienangaben rund 650.000 Lepin-Sets beschlagnahmt.  Diese sollen bei original Lego-Sets einem Wert von um die 30 Millionen US-Dollar entsprechen. Im Verkauf würden die Fälschungen für weniger als ein Fünftel dieses Preises verkauft werden, sagte der verantwortliche Beamte Zhong Shikai. Die Maschinen für die Produktion seien dabei deutlich einfacher als die normalerweise für Lego verwendeten.

Lepin-Fälschungen: Sind Lego-Steine geschützt?

Die Idee des Lego-Stein stammt aus den 1950er Jahren. 1959 ließ Lego den Klemmbaustein, also den Kunststoffstein mit Noppen auf der Oberseiten und Röhren auf der Unterseite, als Patent eintragen. Damit war das Design des Steins vor Nachmachern geschützt. Ein Patenschutz gilt jedoch nur für eine gewisse Zeit. 1988 lief das Lego-Patent aus.

Um sich das Design weiter zu schützen, ließ das Unternehmen den Lego-Stein 1996 als Marke eintragen. Auch der Markenschutz verhindert das Nachmachen. Während der Patentschutz den Inhaber für gewöhnlich rund 20 Jahre vor Plagiaten schützt, lässt sich der Markenschutz regelmäßig um zehn Jahre verlängern. Gegen den Markenschutz des Lego-Steins wurde in der Vergangenheit vor verschiedenen Gerichten geklagt. Hier wurde in fast allen Fällen Lego der Markenschutz abgesprochen. Das Design des Steins ergebe sich aus der Funktion, so die Richter.

Während das Grundprinzip des Lego-Steins somit von anderen Unternehmen legal verwendet werden darf, besitzt Lego hunderte weitere Patente für spezielle Lego-Steine. Auch das Design der Sets kann Lego rechtlich vor Fälschern schützen.

Lego-Fälschungen durch Lepin – Wie geht es weiter?

Die Razzia war eine der seltenen hart durchgreifenden Maßnahmen durch chinesische Behörden. Lepin selbst kündigt auf der Unternehmens-Homepage an, den Verkauf von Sets zum 1. Mai einzustellen. Im Laufe des Montagvormittags wurden einzelne Bereiche der Lepin-Seite bereits abgeschaltet.

Auf Lepinland teilt das Unternehmen mit, nach Aufforderung der chinesischen Regierung und der Polizei von Shanghai ab dem 1. Mai keine neuen Sets zu produzieren. Noch vorhandene Ware werde soweit vorhanden weiterverkauft.

Ob der Schlag gegen Lepin dauerhaft gegen Lego-Fälscher schützen wird, ist fraglich. Zu attraktiv ist der Verkauf von nachgemachter Markenware für Fälscher und Kunden. Das wird sich auch im Hinblick auf Lego nicht ändern. Erste Hinweise legen nahe, dass Lepin durch die neue Marke Nuogao ersetzt werden soll. Ohnehin ist das Unternehmen hinter der Nachahmer-Marke weiter gut im Geschäft. Unter den Namen Xingbao Blocks und Bricks Deligh werden seit einiger Zeit bereits Bausteinsets angeboten. Diese basieren jedoch auf eigenen Designs und verwenden keine geschützten Steine.

Fotos von LegoLepinworld und Polizei Shanghai