Ifa 2019 Trend – Alles Wichtige in Kürze

  • künstliche Intelligenz wichtiges Trendthema bei der Ifa 2019
  • zunehmend Integration von KI im Heimkinobereich
  • Bild- und Tonverbesserung durch KI-Prozessoren
  • Hausarbeit soll durch Smart Home und KI einfacher und bequemer werden
  • Verbraucher sehen Vorteile von KI eher im professionellen Bereich, weniger in privaten Anwendungen
  • Einschränkung bei Privatsphäre und Zunahme von Kontrolle durch KI befürchtet

Waschmaschinen, die sich beim Besitzer melden. Öfen, die das Abendessen selbständig perfekt auf den Punkt garen. Fernseher, die eigenständig Programm-Empfehlung nach dem Film-Geschmack der Zuschauer. Das Bild wird dazu durch KI-Technik automatisch angepasst und optimiert, auch wenn die Bildquelle selbst nicht perfekt ist – all das ist keine Zukunftsmusik. Diese Funktionen sind bereit jetzt in aktuellen Geräten durch KI-Unterstützung verfügbar.

Mehr oder weniger intelligente Maschinen sind keine Science-Fiction mehr. Schon heute haben Verbraucher mit selbstlernenden Systemen, künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Co. im Alltag zu tun. Eingesetzt wird diese KI in Sprachdiensten, wie Amazons Alexa oder dem Google Assistenten, in den smarten Lautsprechern, aber auch in immer mehr Smartphones. Die Entwicklung kommt schleichend, für den Nutzer oft unbemerkt, doch KU-Systeme breiten sich immer weiter aus. Wer möchte schon auf die guten Navi-Funktionen von Googles Kartendienst verzichten? Dahinter steckt künstliche Intelligenz.

Ifa Trend 2019 – Alexa, Google und Co. lernen vom Anwender

Die Systeme dahinter werden schlauer. Alexa und Co. können teilweise selbst dazu lernen und durch Benutzung automatisch das Sprachverständnis verbessern. Die digitalen Assistenten Siri oder Samsungs Bixby erkennen Muster im Tagesablauf des Benutzers und liefern App-Vorschlage oder passende Orte in der Nähe auf der Karte. Google hat die Karten-App durch selbstlernende Systeme mittlerweile so sehr erweitert, dass Vorhersagen zur Verkehrsdichte oder Besuchermenge von Orten und Geschäften möglich ist.

Andere Einsatzbereiche des Ifa-Trendthemas KI bekommen mehr Aufmerksamkeit. Autonomes Fahren ist nicht nur wegen den beliebten Elektroautos von Tesla, die diese Funktion unterstützen, ein Thema für die breite Öffentlichkeit. Auch in der Verkehrsleitung zeigt KI sehr viel Potential. Künstliche Intelligenz kann zudem im Bereich der Smart Home-Steuerung zum Einsatz kommen, indem Verhaltensmuster des Nutzer erkannt werden.

Die Technik passt sich so dem Menschen an. KI findet sich auch bei der Freizeitgestaltung. Sie liefert Empfehlungen für Musik oder für das Programm im Heimkino. Spotify oder Apple Music liefern Musik nach dem Geschmack des Nutzers, Amazon Video oder Netflix das passende Film- und Serienprogramm. Die Auswahl erfolgt automatisch, nur aufgrund der Hör- und Sehgewohnheiten der Anwender.

Eines wird durch diese Beispiele deutlich: Die Möglichkeiten zum Einsatz künstlicher Intelligenz im Alltag sind mehr als nur Marketing. KI wird den technisierten Alltag von uns allen betreffen und nachhaltig ändern.

Ifa Trend 2019 – KI im Heimkino

Das beste Beispiel für die aktuelle Entwicklung von künstlicher Intelligenz für das Zuhause sind Fernseher. Im Heimkino-Bereich arbeiten die Hersteller an der Integration von künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Bild und Tonqualität. Samsung hat auf der Ifa 2018 mit dem Quantum-Prozessor einen Chip vorgestellt, der die Bildqualität über KI verbessern soll. Dadurch soll vor allem das Upscalling profitieren. Full HD-Inhalte können so besser auf 4K oder gar 8K vergrößert werden. Laut Samsung verbessert KI die Leistung eines Fernsehers maßgeblich.

Besseres Upscalling durch KI

So richtig Intelligent ist diese Technik noch nicht. Für den Quantum-Prozessor hat Samsung acht Millionen Filmsequenzen ausgewertet. Auf dieser Grundlage wurden Filter entwickelt, die das niedrig aufgelöste Bild möglichst optimal anpassen. Der Chip vergleicht dafür das aktuelle Bild mit einem UHD-Referenzbild bis der optimale Filter gefunden wurde.

Das ist der aktuelle Stand. Mit zusätzlicher Analyse erweitert sich die Datenbank. Immer mehre und immer genauere Anpassungen werden möglich. Das Gerät erhält die Änderungen per Update. Im Vorfeld der Ifa 2019 erklärte Samsung Marketing Director Mike Henkelmann gegenüber Journalisten, wie Bildverbesserung durch KI bei Fernsehern funktioniert. Diese Technik ist bei Samsung seit 2018 verfügbar. Die Südkoreaner haben zunächst die brandneuen 8K-Fernseher mit ein Quantum-Prozessor und KI-Unterstützung ausgestattet. Seit 2019 sind erste 4K-Modelle mit entsprechender Funktion verfügbar.

Auch LG arbeitet mit ähnlicher Technik. Das hat auch mit dem für den Ifa 2019 erwarteten 8K-OLED-Fernseher von LG zu tun. Bei Philips wird das KI-Thema bei Fernsehern noch zurückhaltend gesehen. Das Unternehmen sieht genug Verbesserungsmöglichkeiten in der herkömmlichen Bildanalyse. Das hat wohl auch damit zu tun, dass von Philips noch kein 8K-Modell angekündigt ist. Dadurch stellen sich andere Anforderungen an das Upscalling.

Ifa 2019 Trend – KI verbessert auch Audio

Der nächste Schritt ist die Verbesserung des Tons. Wie auch beim Bild werden hierfür Tonsequenzen analysiert, welche der Prozessor mittels KI vergleicht und so die passenden Einstellungen wählt. Der Lautstärkewechsel zwischen lauten und leisen Szenen könnte  vorbei sein. Das ist auch dadurch möglich, weil der Fernseher sich an die Sehgewohnheiten des Zuschauers anpasst. Noch ist das eine Zukunftsversion, doch ein Anwendungsfall mit guten Aussichten auf eine Umsetzung.

Intuitive Bedienung – Fernseher passen sich dem Anwender an

Laut Henkelmann gibt es bei Fernsehern einen weiteren Bereich, bei dem KI von Nutzen sein kann: bei der Bedienung. Grundlage dafür ist, dass die Technik die Gewohnheiten der Nutzer erkennt und sich anpasst. Das kann sich auf das Angebot an Inhalten auswirken. Sportaffine Zuschauer bekommen in Mediatheken oder im Programm-Guide sport-orientiertes Programm präsentiert. Ähnlich dazu empfiehlt der Smart TV in Zukunft dem Spielfilm-Freund ebenfalls das entsprechende Programm. Selbst an die Tageszeit oder die Stimmung kann sich das Gerät im Prinzip anpassen. Die Programmdarstellung von Amazon Prime Video oder Netflix sind da nur der Anfang.

Mit dem Blick in die Zukunft stellte Henkelmann die These auf, dass in Zukunft nicht mehr die Hardware bei Fernsehern entscheidend sein wird, sondern die Intelligenz. „Nicht die Schnittstelle, nicht die Hertzzahl, die Intelligenz wird entscheidend für den Verkauf.“

„Das Zeitalter purer Hardware-Features ist vorbei. Der Erfolg wird maßgeblich davon geprägt sein, wie intelligent ein Gerät ist“ – Mike Henkelmann, Director Marketing, TV & AV Samsung Electronics GmbH

Ifa 2019 Trend KI – Fernseher zeigt mehr als nur Programm

Die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz gehen dabei über die Programm-Empfehlung oder die Anpassung der Bedienoberfläche hinaus. Smarte Geräte können zukünftig womöglich intelligent zusätzliche Inhalte zum Bildschirminhalt anbieten. Möglich machen das Semantik. Der Fernseher ist so in der Lage, den Bildinhalt selbständig zu erkennen. Dabei werden Merkmale aus dem Bildinhalten extrahieren. Gesichter, Fahrzeuge, Gegenstände, Tiere, Pflanzen, selbst Ort kann das Gerät so erkennen. Im Grunde bedient sich die Funktion der Technik, die von Smartphones-Kameras und deren Gesichtserkennung bereits verwendet wird.

Diese Merkmale werden mit Datenbanken verbunden. Diese liefern zusätzliche Informationen, die auf dem Bildschirm zusätzlich eingeblendet und abgerufen werden können. Das können zusätzliche Infos zu Schauspielern, Orten oder Hintergründe zum Film sein. Nachrichten oder Dokumentationen lassen sich ebenso erweitern. Auch um Shopping kann das TV-Programm ergänzt werden.

Mehr als nur im Wohnzimmer: Ifa 2019 zeigt KI für das gesamte Zuhause

Künstliche Intelligenz macht im Wohnzimmer nicht halt. Auch für die Küche gibt es passende Anwendungsfälle. Waschmaschinen, Kühlschränke, Kochfelder, Staubsauger, Dunstabzugshauben – Beim Blick durch das aktuelle und neue Sortiment der Hersteller gibt es kaum eine Geräte-Kategorie ohne schlaue Funktionen. Ist das vielleicht zu viel?

Aus Sicht des Geräte-Herstellers Bosch soll KI den Anwender dabei unterstützen, sich besser um seine Familie und sich selbst zu kümmern. „Unsere Geräte müssen ihnen helfen, genau diese Aufgaben besser, schneller, vielleicht inspirierter umsetzen zu können“, so ein Sprecher von Bosch vor der Ifa 2019. Kurz gesagt soll KI auch in der Küche und im Haushalt bei vielen alltäglichen Arbeiten dabei unterstützen, Aufgaben besser und schneller zu erledigen.

Konkret kann das der Backofen sein.  Oder der Herd lernt, wie das Steak am besten zubereitet wird. Das Kochfeld findet dabei den perfekten Garpunkt. Durch KI und durch das Lernen vom Nutzer.

KI bei Haushaltsgeräten: Besseres Ergebnis mit weniger Aufwand

Auch der Kühlschrank kann sich anpassen und die Kühlleistung je nach Situation und Tagesablauf der Nutzer die Kühlleistung hoch- oder runterfahren. Die Spülmaschine wäscht unterstützt durch Sensoren und smarte Funktion das Geschirr je nach persönlichen Vorlieben. Durch die Vernetzung kommen zusätzliche Funktionen in den Haushalt und in die Küche. Kochbücher lassen sich online abrufen. Diese passen Rezepte ebenfalls an den Nutzer an. Allergien oder Nahrungsunverträglichkeiten werden darüber hinaus beachtet.

Noch ist die Branche am Anfang dieser Entwicklung. Sicher ist, dass es Zeit braucht, bis diese sagenhaften neuen Funktionen nicht nur verfügbar, sondern auch tatsächlich bei der Verwendung hilfreich sind. Wie immer beim Lernen, braucht es auch für eine KI Zeit sich anzupassen. „.Es kommt darauf an, wie gleichmäßig sie kochen“, antwortet der Bosch-Sprecher auf die Frage, wie schnell sich die Geräte an die Vorlieben anpassen. “ Wenn Sie immer gleich kochen, ist es leichter“. Regelmäßigkeit und Wiederholung sind der Schlüssel zu digitalen Lernen. Wie im richtigen Leben auch.

Ifa 2019 Trend: Ist KI Segen oder Fluch?

Bei jeder technischen Entwicklung stellt sich die Sinnfrage, auch bei Ifa-Theme „Künstliche Intelligenz“. Innovatoren und Technikbegeisterte finden schnell Gründe für Begeisterung an so viel Neuem. Die Hersteller mit Marketing und PR sind sowieso grenzenlos überzeugt. Doch wie sieht es in der breiten Bevölkerung aus?

Wie die Verbraucher beim Thema KI denken, hat der Ifa-Veranstalter Gfu in einer Studie ermittelt. Die Verbraucher zeigen dort, dass sie durchaus einen Eindruck davon haben, wo smarte Geräte im Alltag helfen können. So nutzen bereits 80 Prozent der Befragten KI zur Verkehrsleitung oder denken zumindest darüber nach. Weit vorne dürfte die Karten-App von Google sein, die Staus anzeigt oder auch Einschätzungen wiedergibt, wann selbst Restaurants, Kino oder Flüge besonders gefragt sind. Eine Perspektive bietet dazu das autonome Fahren. Hier können sich 44 Prozent der Befragten vorstellen, selbstfahrende Autos zu nutzen. Bei Tesla ist die Funktion bereits verfügbar, auch wenn in Deutschland der Einsatz rechtlich aktuell nicht möglich ist.

bereits in Nutzung oder geplantkeine geplante Nutzung
Verkehrsleitung80%20%
Autonomes Fahren44%56%
Sprachsteuerung/ Spracherkennung68%32%
Steuerung Hausgeräte57%43%
Empfehlung Medieninhalte53%47%
Gesichtserkennung59%41%
Live-Übersetzung63%37%

Ifas-Trend KI – Große Anwendungen oder Consumer Electronics?

Perspektivisch zeichnen sich einige Bereiche ab, bei denen sich die Befragten den größten Nutzen vom Einsatz künstlicher Intelligenz vorstellen können.

  • Medizintechnik: 55%
  • Gesichtserkennung: 47%
  • Verkehrslenkung: 47%
  • industrielle Fertigung: 45%

Anders als von den Ifa-Ausstellern wohl gewünscht, sind bei den Top-Bereichen Konsumenten-Anwendungen nicht vertreten. Keine Fernseher, die das Bild und den Ton automatisch optimieren, keine Haushaltsgeräte, die die Hausarbeit erleichtern oder vorbereiten. Der Schluss liegt nahe, dass künstliche Intelligenz als Lösung für größere Anwendungsfälle betrachtet wird, zumindest aktuell. Das smarte Systeme auch den Weg in Gegenstände des täglichen Gebrauchs finden werden, steht dennoch außer Frage.

Künstliche Intelligenz mit Skepsis?

Neben den Chancen zeigt die Studie der Gfu auch, welche Risiken die Befragten in künstlicher Intelligenz sehen. Gerade hinsichtlich der Privatssphäre zeigen sich die Verbraucher skeptisch. Auch eine Zunahme von Kontrolle befürchten die Befragten. Hier überschneiden sich Chancen und Risiken der Technik. Gerade die Gesichtserkennung wurde an anderer Stelle als großer Vorteil von KI betrachtet.

So ist es die Art der Anwendung, die über die Akzeptanz von künstlicher Intelligenz entscheiden wird. Ohnehin muss die Technik funktionieren und den versprochenen Mehrwert auch tatsächlich liefern. Davon sind noch viele Verbraucher zu überzeugen. Auf der Ifa 2019 haben die Besucher vom 6. bis zum 11. September die Chance, einen Blick auf Neuheiten und den aktuellen Stand der Technik zu werfen.


IFA 2019 Highlights

IFA 2018 Highlights

IFA 2017 Highlights